Dr. Grimmels Story – warum kosmetische Zahnregulierungen sein „Ein und Alles“ sind
SchockWährend meines Aufenthaltes am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich bei Prof. Mühlemann im Jahr 1981 schickte mich Felix Lutz, der damalige Oberassistent (und spätere Institutsdirektor), für einen Tag in eine renommierte Praxis in Winterthur um zu zuschauen. Ich beobachtete exzellente Zahnbehandlungen und konnte einige beeindruckende Ergebnisse der Schweizer Prophylaxebemühungen bestaunen: mehrere Patienten meines Geburtsjahrganges (1954) mit kariesfreien, unversorgten, naturgesunden Gebissen. Ich war neidisch, weil ich damals neun mit Füllungen versorgte Zähne hatte, was sich übrigens bis heute nicht geändert hat.
Am lebhaftesten in Erinnerung geblieben ist mir allerdings eine ca. 20-jährige Patientin mit ebenfalls makellos gesunden Zähnen. Als ich zu ihrer Behandlung hinzukam, gab ihr der Kollege gerade eine Spritze für die 4 oberen Schneidezähne. Ich konnte mir nicht erklären, warum diese Patientin eine Behandlung nötig haben könnte und eine örtliche Betäubung bekam. Folglich fragte ich nach. Der Kollege erklärte mir, dass die leicht verschachtelte Stellung der Schneidezähne die Patientin störe und sie daher 4 Kronen auf ihre Schneidezähne bekäme.
Ich hatte Mühe, meinen Schock den Anwesenden gegenüber zu verbergen. Da war ich nun im Land mit der besten Prophylaxe der Welt und sah erstmals in meiner (bis dahin kurzen) zahnärztlichen Laufbahn Patienten meines Alters mit naturgesunden Gebissen. Gleichzeitig kannte ein angesehener und kompetenter Kollege keine bessere Lösung als ein solches Gebiss unwiderruflich lebenslang zu zerstören. Solche Zähne hätte ich mir niemals abschleifen lassen!
Bereits damals als – noch – Zahnmedizinstudent wusste ich nur zu gut, dass eine Kronenversorgung der oberen Schneidezähne die anspruchsvollste Kronenversorgung überhaupt ist: eine Herausforderung für jeden Zahnarzt und Zahntechniker.
Nach wie vor können nur grosse Meister Schneidezahnkronen so gestalten, dass sie – zumindestens bei normalen Lichtverhältnissen -aussehen wie Zähne und nicht wie Kronen. Selbst wenn sie am Anfang perfekt aussehen, halten sie nicht ewig. Die Kronen nutzen sich über die Jahre anders ab als die Zähne, verlieren durch Nahrungsmittel und mechanische Beanspruchung Glanz und Oberflächenbeschaffenheit, kurz : sie müssen immer wieder, sei es im Laufe von 10, 12 oder 15 Jahren erneuert werden.
Eine 20-jährige Patientin hätte also mindestens 4 zusätzliche Kronenversorgungen im Leben zu ertragen. Jede einzelne würde bestenfalls in den ersten Jahren richtig gut aussehen und dann nach und nach unansehnlich werden.
Für die junge Patientin in Winterthur bahnte sich ein Desaster an, das sie ihr Leben lang begleiten würde. Aber ich sah seinerzeit zahnärztlich auch keine Möglichkeit ihr zu helfen. Aus meiner Sicht hätte sie sich mit ihren gesunden, aber schiefen Zähnen abfinden müssen.
Der erste Gehversuch
Mein erster Patient, der sich mit einem schiefen Zahn nicht abfinden wollte, war ein Hochschullehrer, den ich im Studentenkurs „Parodontologie“ betreuen sollte. Er war 52 Jahre alt und hatte eine fortgeschrittene Zahnbetterkrankung. Ich trainierte mit ihm die perfekte Zahnreinigung mit Bürste, Inderdentalraumbürstchen und Zahnseide. Weil kein Zahnarzt ihm diese Hilfsmittel bisher richtig vermittelt hatte, war der Zustand seines Zahnbettes dramatisch. Viele Zähne wackelten bereits. Aber er lernte schnell und setzte seine persönlichen Hygienemassnahmen perfekt um.
Zusammen mit dem Oberarzt führte ich die notwendigen Operationen und weiteren Behandlungen durch. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Der Patient konnte alle Zähne bis auf einen behalten und der Zustand besserte sich erheblich. (In über 25 Jahren hat der Patient nur einen weiteren Zahn verloren. Ich weiss das, weil er nach wie vor zu mir zur Betreuung kommt. Nennt man so etwas Zahnarzttreue.
Nachdem die Zahnbettsituation unter Kontrolle gebracht war, offenbarte mir der Patient einen Herzenswunsch hinsichtlich seiner Zähne. Ein oberer Eckzahn stand seit seiner Jugend statt auf der Aussenseite der unteren Zähne, so weit zum Gaumen, dass er die untere Zahnreihe innenseitig berührte.
Aus normalem Gesprächsabstand wirkte es, als ob der Patient eine Zahnlücke hätte. Nun, da sein Knochen und Zahnfleisch in gutem Zustand waren wollte er dieses Problem behoben haben, um richtig glücklich mit seien Zähnen, vor allem aber seinem Lachen zu sein.
Mir war der Patient ans Herz gewachsen und ich bewunderte, wie er sich in seinem (aus meiner jugendlichen Sicht) „hohen“ Alter - immerhin war er etwa doppelt so alt wie ich! – für seine Zähne einsetzte. Er hatte seine Einstellung zu seinen Zähnen im Laufe der Behandlung um 180 Grad zum Positiven gedreht.
Die Vorschläge der Spezialisten
Ich überwies ihn in die kieferorthopädische Abteilung der Uniklinik und gab ihm die notwendigen Unterlagen wie Röntgenbilder und Modelle seiner Zähne gleich mit, um dem Kollegen die Beurteilung und das Beratungsgespräch zu erleichtern.
Mein Patient kam geknickt und frustriert zum nächsten Termin. Die Kollegen in der kieferorthopädischen Abteilung hatten seinen Wunsch, den Eckzahn in seine richtige Lage nach aussen zu überstellen, nicht nur rundweg abgelehnt, sondern als aussichtslos bezeichnet. Er sei zu alt, die Zahnbettsituation mit dem Knochen- und Zahnfleischrückgang zu fortgeschritten. Das Risiko eines Misserfolgs sei damit 100 prozentig. Er solle doch den Zahn entfernen und in der prothetischen Abteilung eine Brücke oder herausnehmbare Prothese anfertigen lassen.
Ich wusste, dass die Kollegen der Kronen- und Brückenprothetik genauso Bauchschmerzen bei dem Fall bekommen würden wie die Kieferorthopäden. Wie sollten sie auf Nachbarzähnen, die ja ebenfalls Knochen- und vor allem Zahnfleischrückgang verzeichneten, eine Brücke anfertigen, die nur halbwegs ästhetisch aussehen würde? Ich veranlasste also – selbstverständlich - eine entsprechende Konsultation in der prothetischen Abteilung – schliesslich waren wir ja Universität und Speerspitze des wissenschaftlichen Fortschrittes – da müssten sich doch Lösungen finden lassen... Das Ergebnis war - wie befürchtet – negativ.
Die einzige Chance
Der Patient, dessen Engagement für seine Zähne ungebrochen war, tat mir leid. Er hatte sozusagen die Wahl zwischen Pest und Cholera: Er konnte den Zahn an seiner Stelle belassen und seine Unsicherheit bei jeder Gelegenheit, wo eine Kamera auftauchte oder er einen Gesprächspartner anlächeln wollte, für den Rest seines Lebens behalten. Er würde weiterhin ein reduziertes Selbstbewusstsein haben und sich bemühen müssen, die „schöne“ Gesichtsseite in der Vordergrund zu drehen oder die Hand „schützend“ vor den Mund zu halten.
Er hätte sich den Zahn ziehen lassen und die Lücke mit einer Brücke versorgen lassen können, von deren Dauerhaftigkeit und Ästhetik ausserdem keiner der Experten überzeugt war. Damit hätte er unter Umständen nichts gewonnen, aber dann sogar drei Zähne (den betroffenen Eckzahn und die beiden Nachbarzähne) riskiert.
Weil er nach Abwägung aller Möglichkeiten eigentlich nichts zu verlieren hatte, machte ich ihm einen „kühnen“ Vorschlag, der sein und mein Leben verändern sollte. Ich würde ihm eine – herausnehmbare - Zahnspange bauen, die den Zahn nach aussen in die richtige Stellung bewegen würde. Ich verdeutlichte den Patienten unmissverständlich, dass ich so etwas noch nie gemacht hätte und für das erwünschte Ergebnis in keiner Weise garantieren könnte. Ausserdem bereitete ich ihn auf eine Behandlungsdauer von 4 bis 6 Monaten vor. In dieser Zeit würde er wegen der Spange kaum kauen können und erhebliche Einschränkungen beim Reden haben (wegen der Platzeinnahme der Spange im Mund). Wenn allerdings mein Vorhaben klappen würde, werde er nicht nur Selbstvertrauen gewinnen, in die Kamera lächeln können, sondern seinen Zahn voraussichtlich auch lebenslang an der richtigen Stelle behalten können. Er werde sich besser reinigen lassen und die Nachbarzähne würden geschont. Im Falle eines Misserfolges bliebe ihm die Option der Zahnentfernung und Versorgung mit einer Brücke oder herausnehmbaren Prothese (das war der Vorschlag der Prothetiker) immer noch.
Entscheidung
Zu meinem Erstaunen entschied sich dieser Professor Dr. med., der Vorlesungen und Seminare vor hunderten von Studenten abhalten musste, der mit Professoren-Kollegen in Verwaltungsratssitzungen stritt, der bei Kongressen weltweit Vorträge halten musste, tatsächlich FÜR meinen Vorschlag. Den Vorschlag eines unerfahrenen – angehenden – Zahnarztes, der ihm bis zu 6 Monate Stress und Leid, Schwierigkeiten beim Kauen und Sprechen - ganz zu schweigen vom Aussehen! - vorhergesagt hatte. Offenbar hatte ich den Leidensdruck unterschätzt, den viele Patienten mit schiefen Zähnen haben. Es muss schlimmer sein, als ich dachte, wenn man bei jeder Gelegenheit zu lächeln an seine „krummen“ Zähne erinnert wird... Und dabei wünscht man doch jedem Menschen möglichst viele Gelegenheiten zu lächeln. Jeden Tag, das ganze Leben lang!
Zusammen mussten wir noch meinen Oberarzt, Dr. Rainer Mausberg, (inzwischen selbst Professor und immer noch an der Universität Göttingen) von dem geplanten „Experiment“ überzeugen – schliesslich musste ja irgendein diplomierter Zahnarzt dafür geradestehen... Eine entsprechende Behandlungsvereinbarung wurde ausgearbeitet und unterschrieben und ich setzte mich ins Labor, um die Spange anzufertigen.
Es ging viel schneller als ich gedacht hatte. Der Patient arbeitete nach wie vor perfekt mit und schon nach 3 Monaten war der Zahn „überstellt“, wie wir Zahnärzte sagen. Also über die Schneidekante des unteren Gegenzahnes hinaus nach aussen bewegt, so dass beim Zusammenbeissen der untere Zahn jetzt den oberen sozusagen „automatisch“ immer weiter nach aussen drückte. Der Patient musste zwar nach wie vor die Spange tragen, um den oberen Eckzahn vor zu viel Druck zu bewahren, konnte sie aber immerhin stundenweise für Vorlesungen oder ähnliche Veranstaltungen herausnehmen. Nach 6 Monaten stand der Zahn perfekt in der Reihe und die Spange war überflüssig. Ich hatte meinen ersten glücklichen Patienten!
Keine Konsequenzen
Für mich als Zahnarzt war dieser schöne Erfolg zwar ein Schlüsselerlebnis, aber mein Berufsverständnis war in den folgenden Jahren doch eher konventionell geprägt. Ein Zahnarzt hatte zu bohren, zu füllen, gelegentlich (und in meinem Fall besonders ungern) zu ziehen. Zahnregulierungen nahm ich immer dann vor, wenn eine akkurate prothetische Versorgung ohne sie nicht möglich war. Vorwiegend also bei älteren Patienten, die Kronen oder Brücken benötigten, die ohne eine vorherige Zahnregulierung nicht oder nicht so ästhetisch möglich gewesen wären. Mein berufliches Steckenpferd wurde die Prophylaxe, also die Erhaltung der naturgesunden eigenen Zähne durch optimale häusliche Mundhygiene der Patientinnen und Patienten mit professionelle Unterstützung – das heisst durch meine oder die meiner Mitarbeiterinnen – in Form von Instruktion und Training sowie professioneller Zahnreinigungen.
Keine Hilfe für die Einsatzfreudigen
Über die Jahre bekam ich so immer mehr Patienten/Innen, die keine oder nur minimale zahnärztliche Behandlung benötigten, weil sie naturgesunde Zähne hatten. Darunter waren viele Menschen, die zwar gesunde, aber eben keine korrekt ausgerichteten Zähne hatten. Diese Patienten litten unter ihren Zahnlücken, unter eng oder schief stehenden Zähnen, sie litten, weil sie nie richtig lachen konnten. Jahrelang versuchte ich, diese Menschen seelisch und moralisch „aufzubauen“, in dem ich ihre tollen, gesunden Zähne ebenso lobte wie den meist überdurchschnittlichen Einsatz, den sie dafür zeigten. Ich tröstete sie nach dem Motto: besser gesunde schiefe Zähne als schlechte künstliche. Wenn ich sie zu Kieferorthopäden schickte, kamen sie mit Behandlungsplänen für ein „ideales“ Gebiss mit „neutraler“ Seitenzahnverzahnung und Behandlungszeiten von 2 bis 3 Jahren frustriert und ratlos zu mir zurück. Ihr Problem war ja nicht, beim Kauen Probleme zu haben, sondern vor allem kosmetischer Natur. Sie wollten weder ein zahnärztlich gesehen „ideales“ Gebiss mit perfekter Verzahnung der Seitenzähne noch zwei oder mehr Jahre eine Spange tragen.
Knoten zerschnitten
Als ich dann immer mehr Fälle sah, in denen Patienten wegen schiefer Zähne ihr Gebiss im Rahmen so genannter „esthetic dentistry“ durch Kronen oder Verblendschalen (Veneers) „versorgt“ bekamen wie seinerzeit die Patientin in Winterthur, fing ich endlich Feuer und suchte nach besseren Lösungen. Die verschiedenen Patienten, denen ich die Zähne ähnlich dem Medizinprofessor gerichtet hatte, waren mir wohl unterbewusst als die besonders glücklichen in die Erinnerung eingebrannt. Ich besuchte Kollegen in den USA, Kurse, Kongresse und Workshops und lernte alles über „accelerated orthodontics“. Ich behandelte 2001 meinen ersten Patienten mit Brackets und Bögen, 2002 meine erste Patientin mit der Invisalign-Methode.
Dental Happiness
Ich habe nie mehr zurückgeschaut. In 25 Jahren hat mir keine andere Behandlungstätigkeit so viel positive Rückkoppelung gebracht wie die kosmetische Zahnregulierung. Das Strahlen der Patienten/Innen schon während der Regulierungsphase, sobald sie merken, dass sich etwas positiv bewegt, bringt zahnärztliches Glücksgefühl. Kürzlich schrieb mir ein Patient (Vermögensberater bei der UBS 40.J) einfach so eine E-Mail: „Es macht mir Freude "zuzuschauen" wie sich die Zähne bewegen. Es ist wirklich gigantisch. Obwohl ich einen "Draht" um meine Zähne habe, lache ich viel öfter und herzhafter als vorher, und das alles mit offenem Mund.”
Ähnliche Kommentare höre ich jeden Tag mehrmals. Das baut auf! So profitieren nicht nur die Patienten/Innen von meiner Behandlung, sondern auch ich als Zahnarzt. Und ich erreiche viel mehr als beim Bohren und Füllen, weil ich das Leben meiner Patienten/Innen positiv verändere. Ich erhalte ihre natürliche Zähne, mache sie harmonischer und ästhetischer. Dabei beeinflusse ich nicht nur die Zähne, sondern den ganzen Menschen! Meine Behandlung ist Ursache für den Gewinn an Lebensqualität, Selbstwertgefühl, Ausstrahlung, Sexappeal, für das glückliche, ungezwungene Lachen, welches meine Patienten/Innen mit ihren geraden Zähnen gewinnen.
Das ist viel mehr als sich ein Zahnarzt wünschen kann, der früher dachte, sein Fach bestünde nur aus Bohren, Schleifen, Ziehen und Füllen.
Ich danke der Patientin aus Winterthur, deren – ihr damals noch unbekanntes, zukünftiges - Leid bei mir für den ersten “Klick” im Hirn sorgte. Ich wüsste gerne, bei dem wievielten Satz Schneidezahnkronen sie inzwischen angelangt ist und wie sie über den damaligen Behandlungsentscheid heute denkt…
Dem Medizinprofessor danke ich für seinen Mut, mit mir als unerfahrenem Behandler ein Risiko einzugehen – und dabei für uns beide etwas zu gewinnen: er lacht seit 25 Jahren mit geraden, harmonischen Zähnen.
Ich habe einen Patienten gewonnen, der mir seit Jahrzehnten treu ist (sehen Sie sein Video auf meiner Webseite).
Allen meinen Zahnregulierungspatienten/innen danke ich dafür, dass sie ihre Glücksmomente mit mir teilen und mir auf diese Art zu meinen verhelfen. Sie haben mir erlaubt, immer meinen vollen Einsatz und meine ganze Kompetenz einzubringen.
Es gibt für mich keine schönere zahnärztliche Tätigkeit als Ihnen zu geraden natürlichen Zähnen und einem attraktiven, gewinnenden Lächeln zu verhelfen.
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