Zahnbürste etc.
Vorbeugen ist billiger als Heilen - besser ist es sowieso. Auch wenn man sich nicht gegen alle Risiken schützen kann - schon gar nicht gegen alle Gesundheitsrisiken - bleibt unverständlich warum die Allgemeinheit nicht wenigstens da vorbeugt, wo es einfach, gefahrlos, billig und ohne teure Hilfsmittel geht. Es werden werden hier im Jahr kaum mehr Zahnbürsten verkauft als das Land Einwohner hat. Statistisch nutzt jeder seine Zahnbürste mehrere Monate lang.Alle Leute vom Fach wissen, dass eine Zahnbürste bei richtiger Benutzung maximal 6 Wochen halten kann. Allein eine einzige ersparte Krone macht Geld frei für einen Zahnbürstenvorrat, der Jahrzehnte reicht. Trotzdem zahlen die meisten offenbar lieber hunderte von Franken für die Zahnreparaturen als 5.-SFr. in eine neue Zahnbürste zu investieren.
Billigzahnbürsten sind nämlich ein schlechter Kauf, weil sie oft nicht über exakt abgerundete Borstenspitzen verfügen. Spitze, zackige und unregelmässige Borstenenden führen zu Zahnfleischverletzungen. Ebenso schlecht sind die teuren Zahnbürsten mit Naturborsten. Diese können splittern und brechen wie die eigenen Haare. Ausserdem haben alle Naturborsten in der Mitte einen Hohlraum. In diesen verkriechen sich die Bakterien aus dem Zahnbelag. Wegen des kleinen Querschnitts kann der Kanal auch im Verlaufe eines ganzen Tages nicht austrocknen. Die Bakterien können so überleben und werden mit dem nächsten Zähneputzen wieder in den Mund überimpft.
Die ideale Zahnbürste hat also - an den Enden abgerundete - Kunststoffborsten. Und zwar davon möglichst viele, weil damit die Reinigungsoberfläche besonders gross ist. Ein Handfeger kehrt den Staub besser als ein Küchenschrubber gleicher Grösse, weil er einen dichteren Borstenbesatz hat. Also müssen die Borsten auch besonders weich sein. Nur weiche Borsten sind so dünn, dass man davon viele auf dem Borstenkopf unterbringen kann. Andererseits muss der Kopf der Zahnbürste klein genug sein, um auch in den engen "Kurven" der Zahnreihe eine präzise Reinigung zu ermöglichen. Die Zahnbürsten mit mehr als 2,5 cm Kopflänge eignen sich vielleicht zum Schuhputzen oder für Pferdezähne, aber nicht für das menschliche Gebiss, obwohl sie dafür angepriesen werden. Ob die Borsten alle gleich lang sind, in der Mitte oder am Borstenfeldrand länger, verschiedenfarbig (Indikator) oder alle weiss, ist reine Geschmackssache. V-förmig gestellte Borsten sind allerdings weniger gut geeignet. Die gekippte Stellung macht es unmöglich, genauso viele Borsten auf ein gleich grosses Feld zu stellen, als wenn man alle gerade aufstellen würde. Da nur die Borstenenden reinigen, wird die Reinigungsfläche und der Reinigungseffekt geringer. Wer das nicht glauben will, sollte mal versuchen, mit einem um 90 Grad gedrehten Handfeger, also mit den Borstenseite statt den Borstenenden, Dreck auf die Kehrschaufel zu befördern.
Die elektrischen Zahnbürsten haben übrigens alle einen relativ kleinen Kopf. Darin erschöpft sich aber auch schon ihr Vorteil. Richtig angewendet lassen sich die Zähne mit einer Handzahnbürste nach allen wissenschaftlichen Untersuchungen - sofern sie unabhängig und nicht industrie-gesponsert waren - genauso gut oder besser reinigen als mit einer elektrischen. Man muss also manuell ausreichend geschickt sein. Kinder unter 10 Jahren sind das nicht, bei ihnen muss unbedingt ein Erwachsener "nach"-putzen - und wissen, was ausserdem zu tun ist.
Schäden an den Zähnen - und am Zahnhalteapparat - entstehen durch Bakterien und Bakterienausscheidungsprodukte. Die Bakterien kleben wie angetrocknete Marmelade in bis zu mehreren hundert Schichten übereinander auf den einer natürlichen Reinigung nicht zugänglichen Zahnbereichen, vorwiegend in den Gruben der Kauflächen und am Zahnhals, dem Übergangsbereich zur Zahnwurzel auf und über der Höhe des Zahnfleischansatzes. Das Zahnfleisch braucht keine Reinigung und noch weniger eine Massage. Wenn die Zähne bakterienfrei sind, gibt es auch keine Zahnfleischreizung oder -entzündung.
Für die richtige Zahnbürsttechnik bedarf es kaum eines Drucks. Wer die Zahnbürste anfasst wie einen Tennisschläger, Vorschlaghammer oder einen Türgriff, schrubbt nur Zahnfleisch und/oder Zähne kaputt. Die Zähne sind schliesslich nicht aus Diamant, sondern nur mit Schmelz überzogen, der sich im Laufe von Jahren durchaus abscheuern lässt. Der Federhaltergriff ist richtig, um präzise feinmechanische Bewegungen auszuführen, wie sie für die Zahnreinigung nötig sind. Kreiselnde Bewegungen auf der Stelle, also praktisch ein Vibrieren, löst die Bakterienbeläge von der Zahnoberfläche ab, so dass sie sich auswischen lassen. Zweckmässigerweise richtet man die Borsten dabei auf die Grube am Zahnfleischsaum, etwa 45o zur Wurzelachse der Zähne. "Schrubben" ist out! Dabei können nämlich unsichtbare Zahnfleischverletzungen entstehen, dadurch Knochenschädigungen und Rückgang von Knochen und Zahnfleisch gerade an den Stellen, die sich am leichtesten putzen lassen - weil man dort aus Bequemlichkeit am meisten putzt.
Eine einheitliche Reihenfolge beim Putzen ist deswegen besonders wichtig. Wie das System aussieht, kann jeder für sich festlegen. Es spielt keine Rolle, ob mit den Kauflächen, den Innenflächen, den Seitenflächen oder rechts oder links begonnen wird. Wichtig ist nur, dass alle Flächen erreicht werden und immer die gleiche Reihenfolge eingehalten wird. Nur so lässt sich ein Zuvielputzen in den bequemen und ein Zuwenigputzen in den unbequemen Mundbereichen auch dann vermeiden, wenn während des Putzens mal das Telefon klingelt.
Die Zahnreinigungen sollten immer nach den Mahlzeiten erfolgen. Am wichtigsten ist die penible abendliche Reinigung nach der letzten Nahrungsaufnahme. Über Nacht geschieht sonst Unheil in einem geschlossenen, einer Brutkammer entsprechenden, Mund mit deutlich vermindertem Speichelfluss. Da kann das beliebte Zähneputzen morgens nach dem Aufstehen nichts mehr wieder gut machen. Das können Sie getrost aus Ihrem Morgenprogramm streichen.
Die Putzzeit hängt entscheidend davon ab, wie viel Bakterienbeläge zu entfernen sind. Je mehr klebrige Kohlenhydrate in der Nahrung waren (z.B.Banane!) und je seltener geputzt wird, desto dicker ist der Belag und desto länger braucht man zur vollständigen Entfernung. Die meisten Leute müssen nicht unbedingt länger, sondern systematischer (s.o.-immer derselbe Weg durch den Mund) reinigen. Saubere Zähne kosten also keine Zeit. Es bedarf nur eines systematischen Trainings. Dann werden sie ebenso wie das umgebende Zahnbett auch nicht krank. Fragt sich nur, wie man neben Kau-, Innen- und Aussenfläche der Zähne auch die Zahnzwischenraumflächen zum jeweiligen Nachbarzahn säubern kann. Mit einer Zahnbürste - und sei sie noch so ideenreich und plausibel vermarktet - ist das unmöglich. Es geht auch nicht mit einem harten Dampfstrahler oder einer schwachbrüstigen Munddusche, denn wenn ein Wasserstrahl Reibung erzeugen könnte, bräuchte man zur Autowäsche genauso wenig Bürste oder Schwamm wie zur Zahnpflege. Wie sind also die restlichen 40% gefährdeter Zahnflächen zu reinigen, die Sie schon immer und auch jetzt noch auslassen? Wie bekommt man dort die Bakterien weg, die schon seit dem letzten Jahrzehnt dort sitzen, weil sie bisher noch niemand abgerieben hat? Die Antwort heisst Zahnseide, in Ausnahmefällen auch Zahnzwischenraumbürste oder Superfloss.
Professionelle Zahnreinigung
- Zahnseide
- Superfloss
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